Beispiel-Exkursion

Unterrichtsgang der Klasse 7G1 zum KuK Schlachthof Wiesbaden e.V.

Im PoWi-Unterricht von Herrn Wolf ging es um das Thema der politischen Mitbestimmung der Bürger/innen in ihrer Gemeinde. Um zu erfahren, wie sich bürgerliche Interessen auf kommunaler Ebene umsetzen lassen, besuchte die Klasse 7G1 am 8. Mai 2007 den ehemaligen Wiesbadener Schlachthof, der als Kultur- und Kommunikationszentrum genutzt wird. Nach einer Besichtigung der Räumlichkeiten referierte Herr Schulz, einer der Mitbegründer, über die Entstehung und Arbeitsweise des Vereins.

Vom Schlachthof zum Kulturzentrum

Der 1890 in Betrieb genommene Schlachthof, hinter dem Wiesbadener Hauptbahnhof gelegen, wurde seit seiner Schließung Ende der 1980er Jahre massiven Umgestaltungen unterzogen. Anfangs sollte der gesamte Gebäudekomplex einer Freifläche weichen um für die Innenstadt eine Abluftschneise zu erhalten. Dagegen formierte sich aus dem Bereich der alternativen Kulturszene Widerstand, – wenigstens einige Gebäude wollte man vor dem Abriss retten und in ein Kulturzentrum für Konzerte, Festivals und Jugendfreizeitaktionen schaffen, denn so etwas gab es in Wiesbaden bis dato nicht.  Es entstand eine Interessengemeinschaft, die erfolgreich mit der Stadt über die Nutzung verhandelte, Dreck und Trümmer vom verfallenen Gelände beseitigte und Gebäude in Eigeninitiative renovierte. Aus dieser Interessengemeinschaft ist u.a. das KuK Schlachthof Wiesbaden e.V. hervorgegangen. Der Verein wurde vor zwölf Jahren gegründet, beschäftigt 16 feste und rund 40 freie Mitarbeitende. Die festen treffen gemeinsam grundlegende Entscheidungen für den Verein, jede/r hat aber auch einen eigenen Zuständigkeitsbereich mit Entscheidungsspielraum.

150.000 Besucher

Der Schlachthof bietet für jede Kulturveranstaltung genügend Platz: 1800 Gäste passen in den ehemaligen Schlachtsaal und 200 in die alte Räucherkammer. Daneben gibt es eine kleine Bar, das 60/40. Die Besucherzahlen steigen stetig an und lagen 2006 bei ca. 150 000.  Bands aus der Region können im Obergeschoss des Gebäudes kleine Proberäume mieten. Bis zum Abriss einiger Hallen auf dem Schlachthofgelände konnten Grafitti-Sprayer dort ihr Können zeigen, heute dürfen sie (nach Absprache) wenigstens noch die Rückwand des Schlachtsaales dazu benutzen.

Umbach des Schlachthofes

Der Verein möchte für das Gelände bei der Stadt eine Erbpacht auf 66 Jahre erwirken; der Komplettabriss des Schlachthofes schiene dann langfristig abgewendet. Ein Streitpunkt mit der Stadt ist die Frage nach der finanziellen Unterstützung des Schlachthofs, denn es stehen zahlreiche Renovierungen und Reinigungsarbeiten aus, für die der Verein nicht alleine aufkommen kann. Auch wird dringend ein Backstage-Bereich gewünscht, wo sich Künstler in Ruhe auf ihr Konzert vorbereiten. Dies böte die Chance auch international das Interesse an Wiesbaden als Konzert- und Event-Stätte zu erhöhen.