Zeitzeuge ruft zu Toleranz und Menschenrechten für Frieden und Freiheit in Europa auf

Überlebender der Shoa berichtet Schülern aus der NS-Zeit.

Die Geschichtskurse der E-Phasen hatten am Montag, 24.06.2019, die einmalige Gelegenheit, einen Shoa-Überlebenden zu interviewen.

Der über 90 jährige Herr ist zur Zeit aus seiner Wahlheimat Kalifornien in Wiesbaden zu Besuch. Mit Wiesbaden verbindet ihn seine Kindheit und Jugend bis zum 14. Lebensjahr. Er verbrachte seine ersten Lebensjahre in einer Wohnung in der Weißenburgstraße, auch der Besuch eines Gymnasiums war ihm mit einem jüdischen Freund bis zum Tag nach der Reichspogromnacht 1938 möglich. Er erinnert sich noch heute an das Klirren des Glases, als er mit seiner Mutter tagelang das zerstörte Ladengeschäft aufräumte, der Vater war zu dieser Zeit zum ersten Mal im KZ. Der Weitsicht und der Entschlossenheit seiner Eltern hatte er es zu verdanken, dass er schon im Winter 1940 mit einem humanitären Kindertransport nach Schweden in Sicherheit gelangte und überlebte. Beide Eltern und die Großmutter wurden jedoch in den KZs Theresienstadt und Auschwitz ermordet. Auch seine Schwester konnte zu Verwandten in die USA entkommen, hier fand auch er 1948 seine neue Heimat.

Im Interview konnten die Schülerinnen und Schüler auch persönliche und aktuelle Fragen stellen, z.B. warum er seinen ursprünglichen Namen änderte (unaussprechlich für Schweden und Amerikaner). Sehr bewegend war auch sein Appell an die heutige Jugend, jederzeit für Menschenrechte und Toleranz einzustehen. Auch für die begleitenden Lehrkräfte Frau Eifert, Frau Pohlen und Frau Venn war es ein beeindruckendes Gespräch.

 

Abschließend die Meinung einer Schülerin:

Ich war sehr bewegt von Paul Kester und seiner Geschichte. Es ist einzigartig, durch persönliche Erzählungen lebender Personen über die Zeit im 2. Weltkrieg neue Eindrücke zu gewinnen, und trotzdem ist es traurig zu hören, wie er seine Eltern seinerzeit in Auschwitz verlor und Deutschland erst zur Nachkriegszeit in Trümmern wiedersah.

Er verdient großen Respekt, für seine Kraft, sein selbstständiges Leben ohne Eltern, für die damals herrschende Ungerechtigkeit, die er ertragen musste, wie Millionen andere auch, für seine Erinnerungen, schlichtweg für sein Leben in dieser Zeit. Und gerade für seinen Appell an uns, nicht zu hassen, zu tolerieren und unsere Freiheit und unseren Frieden zu schätzen und immer zu bewahren.

Auch aufgrund dessen behauptet er von sich als immigrierter Amerikaner, lebend in Kalifornien, Demokrat und Gegner Trumps zu sein, als ich ihn nach seiner Meinung zu seinem Präsidenten fragte.

Es ist eine Ehre und besondere Möglichkeit, einem Zeitzeugen zu begegnen und ihm zuzuhören. Er hatte viel Glück und ein sicheres Leben in seinem Zufluchtsland Schweden, auch wenn ihm seine Familie und eine richtige, glückliche, behütete Kindheit genommen und verwehrt worden waren. Es sind die Geschichten dieser Personen, die uns alle daran erinnern sollten, dass Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz jeglicher Art falsch sind und wir gut aufpassen müssen, was wir während der Zeit, in der wir die Politik mitbestimmen, tun.“

(Maja Neumann, Klasse E 01; Frau Eifert, Fachsprecherin Geschichte)