„Durch diese hohle Gasse muss er kommen“ – Die etwas andere Annäherung an „Wilhelm Tell“

Am 04.03.2016 erlebten die Schüler des 8. Jahrgangs der Theodor-Fliedner-Schule das Theaterstück „Wilhelm Tell“, welches von Friedrich Schiller im Jahr 1804 fertiggestellt worden war, im Info der Schule auf eine ganz besondere Art. Der Schauspieler Ekkehart Voigt brachte ihnen die Handlung als Einzelakteur näher und bezog sie auch in die Handlung mit ein.

Der Inhalt des Dramas in Kürze

Die Schüler der 8. Klassen lesen derzeit im Deutschunterricht das Schauspiel „Wilhelm Tell“ des Schriftstellers Friedrich Schiller, der dem legendären Schweizer Nationalhelden und dem Freiheitskampf der Schweizer in seinem Drama ein literarisches Denkmal setzte.

Die Handlung spielt im 14. Jahrhundert in der von den Habsburgern regierten Schweiz rund um den Vierwaldstätter See. Hier tyrannisiert der Reichsvogt Geßler die Schweizer Bevölkerung der Kantone Uri, Unterwalden und Schwyz. Im Mittelpunkt steht die Figur des Wilhelm Tell, der sich gegen den Reichsvogt zur Wehr setzt und dadurch die Ketten der Tyrannei sprengt. Auslöser ist der sogenannte „Apfelschuss“, bei welchem Tell von Geßler gezwungen wird, seinem Sohn mittels einer Armbrust einen Apfel vom Kopf zu schießen. Dieses Aufbegehren des eher unfreiwilligen Helden und der eidgenössische Bund der Schweizer zur Vertreibung der habsburgischen Besatzer führen schließlich zur Befreiung der Schweiz.

Das etwas andere Theaterstück

Innerhalb von 2 Schulstunden konnten die Schüler miterleben, wie die Schweizer ihre Freiheit erlangten. Die Handlung wurde durch Herrn Voigt in einen Rahmen eingebettet, welcher den Schülern einen leichteren Zugang in die Thematik bot. Als reale Figur „kleiner Hans“ erzählte der Schauspieler, wie er von dem Theaterstück und dessen Schriftsteller erfahren und sich die Handlung immer vorgestellt hatte. Die Geschichte des Freiheitskampfes wurde aus der Sicht von Walter Tell erzählt, welcher als Sohn des Freiheitskämpfers an den wichtigsten Stationen mit dabei gewesen war. Auf der Bühne sorgte der Wechsel der Perspektive von Walter Tell und der nachgespielten Szenen aus dem Werk für Lebendigkeit.

Damit das junge Publikum die unterschiedlichen Rollen gut auseinanderhalten konnte, nutzte Herr Voigt die unterschiedlichsten Requisiten, Gesten oder Gesichtsausdrücke. Sie war WilhelmTell stets an seiner Armbrust und der aufrechten Körperhaltung zu erkennen. Als sein Kontrahent Geßler blickte Herr Voigt recht herrisch und mit einer edel wirkenden Kappe bekleidet auf das Publikum herab.

Spannung und Spaß erzeugte bei den Schüler allerdings nicht nur das Theaterspiel, sondern auch die Einbindung des Publikums in die Handlung. Wenn sich die Schüler als Bewohner der drei Kantone durch Klatschen, Rufen oder Aufspringen für „ihren“ Landsmann Tell einsetzten, dann konnte jeder nachvollziehen, wie es war, für Freiheit gemeinsam einzustehen.

Fragerunde nach dem Theaterstück

Im Anschluss an das Theaterstück stellte sich Herr Voigt zuerst den Fragen der Schüler, die vor allem wissen wollten, wie sich eine Person so viel Text merken kann. Doch auch die Achtklässler waren noch einmal gefordert, denn Herr Voigt ließ sie entscheiden, wie sie gehandelt hätten. Würden sie Tell auf Geßler schießen lassen und damit der Tyrannei ein Ende setzen? Oder würde sie den Schuss verhindern und andere Lösungen favorisieren? Die sich daraus anschließende Diskussion war sehr interessant, da es auch unter den Schülern viele verschiedene Ansichten über die Rechtmäßigkeit der Handlungen von Wilhelm Tell gab.

Mit dem Theaterstück haben die Schüler somit einen anderen, interessanten Zugang zum Text erhalten und konnten miterleben, wie spannend klassische Lektüre umgesetzt werden kann. Für den kurzweiligen Vormittag bedanken wir uns recht herzlich bei Herrn Voigt.

(Andrea Franze)